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Konstantin K. Vaginov
Bocksgesang
Roman

 

Herausgegeben und aus dem Russischen
übersetzt von Gerhard Hacker
Essay von Brian Poole

303 Seiten
Gebundene Ausgabe, Fadenheftung
ISBN 3-9801472-9-0
EUR 24,– (D)


Mit »Bocksgesang« debütierte der Petersburger Lyriker Konstantin Vaginov (1899–1934) als Romanautor. Mitten im Kulturtrubel der immer weniger gelittenen nachrevolutionären russischen Avantgarde — Vaginov hatte zu allen wichtigen Gruppierungen im Petrograd-Leningrad der zwanziger Jahre Kontakt, ohne sich allerdings auf die eine oder andere festzulegen — gelang ihm damit der Schritt von den Momentaufnahmen seiner hermetischen Gedichte zur episch-erzählenden Prosa. Mittels einer weithin szenischen Darstellung, einer Polyphonie der Stimmen seiner Figuren, die der Leser wie auf einer Bühne stehend wahrnimmt, setzt sich Vaginov in seinem Romanerstling zum Ziel, die Hilflosigkeit und Ausgrenzung der Petersburger Intellektuellen im neuen sozialistischen Leningrader Alltag in ihrer Entwicklung vor Augen zu führen. Und diese Entwicklung wird gezeigt als das, was sie für alle letztlich ist: als eine Trägödie, als ein »Bocksgesang« eben.

Als das Buch 1928 erschien, las man es zumeist als »Schlüsselroman« — nicht ganz zu Unrecht, denn viele Petersburger Künstler, Literaten und Kritiker waren in den Romanfiguren wiederzuerkennen. (Wie man einen realen Prototyp zu einer literarischen Figur formt, ihn in die Literatur »überträgt«, hat Vaginov im Jahr darauf zum Thema seines zweiten Romans gemacht. »Werke und Tage des Svistonov« sind nicht zuletzt auch ein Roman über die Entstehung dieses Romans.) Als bloßer Schlüsselroman wäre Vaginovs »Bocksgesang« allerdings längst in Vergessenheit geraten, allein er ist weit mehr. Seine anhaltende literarische Bedeutung gewinnt der Roman sowohl durch seine besondere Komposition als auch durch seine poetisch-karge Sprache, vor allem aber durch sein modernes Thema: »Bocksgesang« ist schlechthin der Roman von Intellektuellen in Zeiten des erbarmungslosen Bruchs einer Epoche, wie wir ihn just heutzutage wieder erleben. Vaginovs »Bocksgesang« ist ein moderner Klassiker der russischen Literatur!

Seit der Perestrojka sind Vaginovs Werke in Rußland wieder zugänglich; mehrere Ausgaben in hoher Auflage waren nach kurzer Zeit vergriffen. Gerade die jüngere russische Schriftstellergeneration beruft sich in ihrer Erneuerung der Literatur auf Konstantin Vaginov.